Heinrichs Sohn Otto (936-73) zog auf den Hilferuf seiner späteren Frau erstmals nach Italien. Bei seinem zweiten Zug krönte ihn 962 in Rom der Papst zum Kaiser und zum Schutzherrn der Kirche. Von seiner dritten Reise nach Italien brachte er aus Ravenna Marmorsäulen für den im frühchristlichen Stil errichteten Magdeburger Dom mit. Zu dieser Lieferung gehörte auch ein antikes Brunnenbecken für Werla. Der Ausbau der Pfalz wird daher Kaiser Otto zuzuschreiben sein, mit allen Rundtürmen, mit der Vorburgmauer und den Steinbauten der Kernburg.
Im "dunklen Jahrhundert" überraschen die starken Befestigungen von Werla angesichts zahlreicher Aufstände und fortgesetzter Einfälle von Andersgläubigen nicht. Die bruchstückweise ausgegrabenen Wohnbauten werden erstmals wieder an die Prachtentfaltung Karls des Großen (768-814) angeknüpft haben. Otto war 936 in Aachen an dessen Hauptsitz und Grabstätte feierlich inthronisiert worden. Beim Bau der Pfalz Werla im Stil der "ottonischen Renaissance" bediente man sich deshalb ähnlicher Elemente, wenn auch unsystematischer und in etwas kleinerem Maßstab:
vereinzelte, von den Wehrbauten getrennte Steinbauten,
große Königshalle,
Pfalzkirche im Zentrum der Anlage,
Wohntrakt am Rand,
antike Versatzstücke aus Italien.
Zwei Neuerungen des machtbewussten Otto sind hervorzuheben: Die schwere Befestigung deutet die zukünftige Bedeutung des Rittertums an. Seine Kaiserwohnung war heizbar und verfügte über eine Privatkapelle, wodurch sich der Herrscher deutlich vom Gefolge absetzte. Einen Vergleich mit dem islamischen Kulturkreis erlaubt die etwas ältere Große Moschee von Samarra.
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