Widukind von Corvey 967, Taten der Sachsen

(Übersetzung von Wilhelm Wattenbach 1891 - leicht verändert)

Buch 1, Kapitel 38:"...Von der Rede des Königs, und wie er die Ungarn in offenem Kampfe besiegt.

...Nach diesem kamen die Gesandten der Ungarn zum Könige, die üblichen Geschenke zu holen; allein sie wurden von ihm [932] mit Hohn abgewiesen und kehrten mit leeren Händen in ihr Land zurück. Als dies die Avaren [= Ungarn] hörten, beeilten sie sich unverweilt mit einem bedeutenden und ergrimmten Heere nach Sachsen einzudringen... Nun drangen sie mit möglichst raschem Angriff in das Gebiet der Thüringer ein, und durchzogen dies ganze Land sengend und brennend. Hier teilten sie ihre Scharen; ein Teil zog nach Westen, und suchte von Westen und Süden nach Sachsen einzudringen. Aber die Sachsen vereint mit den Thüringern scharten sich zusammen, begannen mit ihnen einen Kampf, töteten die Anführer und zersprengten den Rest des westlichen Heeres durch diese ganze Landschaft. Von diesen wurde ein Teil durch Hunger aufgerieben, ein andrer kam durch Kälte um, noch andere starben, niedergehauen oder gefangen, wie sie es verdienten, eines jämmerlichen Todes. Das im Osten zurückgebliebene Heer aber hörte, daß die Schwester des Königs, welche der Thüringer Wido geheiratet hatte - sie war nämlich außer der Ehe erzeugt - eine benachbarte Festung bewohne und viel Gold und Silber besäße. Deshalb begannen sie die Burg mit solcher Macht zu stürmen, daß sie, hätte nicht die Nacht die Kämpfer gehindert zu sehen, dieselbe genommen hätten. Als sie aber in dieser Nacht von der Niederlage ihrer Gefährten hörten, und daß der König mit einem mächtigen Heere über sie komme - der König hatte nämlich sein Lager bei einem Orte namens Riade aufgeschlagen - verließen sie von Furcht ergriffen das Lager, und riefen nach ihrer Weise durch Feuer und ungeheuern Rauch die zerstreuten Schwärme zusammen... Der König aber besorgte, daß - wie es auch eintraf - die Feinde beim Anblick gepanzerter Reiter sogleich die Flucht ergreifen möchten; so sandte er eine Truppe Thüringer mit nur wenig Reitern, damit jene die leicht bewaffneten verfolgen und bis ans Heer herangelockt werden möchten. Und so geschah es, aber nichtsdestoweniger flohen sie, sobald sie das bewaffnete Kriegsvolk erblickten, so daß auf acht Meilen Weges kaum einige wenige getötet oder gefangengenommen wurden; das Lager aber wurde erstürmt und sämtliche Gefangenen befreit."

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