Widukind von Corvey 967, Taten der Sachsen

(Übersetzung von Wilhelm Wattenbach 1891 - leicht verändert)

Buch 2, Kapitel 1:"Von dem Reichstag bei der Pfalz zu Aachen, und der Wahl eines neuen Königs und dessen Salbung.

[936] Nachdem nun also der Vater des Vaterlandes und der größte und beste der Könige, der Herr Heinrich entschlafen war, da erkor das ganze Volk der Franken und Sachsen dessen Sohn Otto, der schon vorher zum Nachfolger bezeichnet war, zu seinem Gebieter, und als Ort der allgemeinen Wahl bezeichnete und bestimmte man die Pfalz zu Aachen... Und als man dorthin gekommen war, versammelten sich die Herzöge und die ersten der Grafen mit der übrigen Schar der vornehmsten Vasallen in dem Säulengange, welcher mit der Basilika des großen Karl verbunden ist, und sie setzten den neuen Herrscher auf einen hier errichteten Thron; hier reichten sie ihm die Hände, gelobten ihm Treue und Hilfe gegen alle seine Feinde, und machten ihn so nach ihrem Brauche zum Könige. Während dies von den Herzögen und den übrigen Fürsten vorgenommen wurde, erwartete der höchste Bischof mit der gesamten Priesterschaft und dem ganzen niedern Volke unten in der Basilika den Einzug des neuen Königs. Als dieser eintrat, ging ihm der Erzbischof entgegen, und berührte mit seiner Linken die Rechte des Königs, während er selbst in der Rechten den Krummstab trug, und angetan mit der Albe, geschmückt mit der Stola und dem Meßgewand, schritt er vor bis in die Mitte des Heiligtums, wo er stehen blieb, und sich zu dem Volke wendend, welches rings umher stand - es waren nämlich in dieser Basilika Säulengänge unten und oben im Kreise errichtet - so daß er von allem Volke gesehen werden konnte, sprach er so: "Sehet, hier stelle ich euch vor den von Gott erkornen und vom Herrn Heinrich früher bezeichneten, nun aber von allen Fürsten zum Könige erhobenen Herrn Otto: wenn euch diese Wahl gefällt, so bezeugt dies, indem ihr die rechte Hand zum Himmel emporhebt." Darauf hob alles Volk die Rechte in die Höhe und wünschte mit gewaltigem Geschrei dem neuen Gebieter Heil und Segen. Sodann schritt der Erzbischof mit dem Könige, welcher mit dem enganliegenden fränkischen Gewande bekleidet war, hinter den Altar, auf welchen die königlichen Insignien gelegt waren, das Schwert mit dem Szepter und das Diadem. Höchster Priester war nämlich zu dieser Zeit Hildibert, von Geschlecht ein Franke, seines Standes ein Mönch, erzogen und gebildet im Kloster zu Fulda, und nach Verdienst zu so hohen Ehren gestiegen, daß er zum Vorsteher dieses Stiftes ernannt wurde, später aber die höchste Würde des erzbischöflichen Stuhles zu Mainz erlangte. Dies war ein Mann von wunderbarer Heiligkeit, und außer der natürlichen Weisheit seines Geistes war er durch seine Gelehrsamkeit hochberühmt... Er aber trat an den Altar, nahm hier das Schwert mit dem Wehrgehänge, und sprach zum König gewendet: "Empfange dieses Schwert und treibe mit ihm aus alle Widersacher Christi, die Heiden und schlechten Christen, da durch Gottes Willen alle Macht des ganzen Frankenreiches dir übertragen ist, zum bleibenden Frieden aller Christen." Sodann nahm er die Spangen und den Mantel und bekleidete ihn damit: "Dies bis an den Boden wallende Gewand", sagte er, "möge dich erinnern, wie du vom Eifer im Glauben entbrennen mögest und in Wahrung des Friedens verharren müssest bis in den Tod." Sodann reichte er ihm Szepter und Stab und sprach: "Bei diesen Zeichen mögest du gedenken, daß du mit väterlicher Zucht deine Unterthanen leitest, und vor allen den Dienern Gottes, den Witwen und Waisen die Hand der Erbarmung reichest; und möge niemals von deinem Haupte das Öl der Barmherzigkeit versiegen, auf daß du jetzt und in Zukunft mit ewigem Lohne gekrönt werdest." Darauf wurde er alsbald mit dem heiligen Öle gesalbt und mit dem goldnen Diadem gekrönt von den Bischöfen Hildibert und Wikfrid, und da nun die Weihe, wie sich gebührt, vollständig vollendet war, ward er von eben denselben Bischöfen zum Thron geführt, zu welchem man auf einer Wendeltreppe hinanstieg, und der zwischen zwei marmornen Säulen von herrlicher Schönheit errichtet war, so daß er von hier aus alle sehen und von allen wiederum gesehen werden konnte.

Buch 2, Kapitel 2: Von dem Dienst beim Könige und von dessen Fürsten.

Nachdem man hierauf Gott gepriesen und das Meßopfer feierlich begangen hatte, stieg der König in die Pfalz herab, trat sodann an eine marmorne, mit königlichem Gerät geschmückte Tafel und setzte sich mit den Bischöfen und allem Volke; die Herzöge aber warteten auf. Der Herzog der Lotharinger, Isilbert, zu dessen Amtsgewalt jener Ort gehörte, ordnete die ganze Feier [Kämmerer?], Eberhard [von Schwaben: Truchseß?] besorgte den Tisch, Hermann der Franke stand den Mundschenken vor [Schenk], Arnulf [von Bayern: Marschall?] sorgte für die ganze Ritterschaft und für die Wahl und Absteckung des Lagers; Siegfrid aber, der Sachsen trefflichster und der zweite nach dem Könige, einst Schwager des Königs, und auch dem neuen Könige durch diese Verschwägerung nahe verbunden, verwaltete um diese Zeit Sachsen, damit nicht etwa unterdessen ein feindlicher Einfall stattfände, und hatte den jüngeren [Bruder Ottos] Heinrich zur Erziehung bei sich. Der König aber ehrte nach diesem einen jeden der Fürsten königlicher Freigebigkeit gemäß mit angemessenen Geschenken und entließ die Menge mit aller Fröhlichkeit."

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